Der Widerrufsjoker

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Die aktuelle Zinslage sowie die weitere Prognose der Zinsentwicklung sind für viele Menschen ein Grund zum Ärger: Wer vor Jahren einen Darlehensvertrag mit hohem Zins abgeschlossen hat, muss trotz aktuell niedriger Zinsen seine hohen Zinsen weiterzahlen. Daher würden viele Kreditnehmer gerne ihren laufenden Vertrag kündigen. Häufig wird dann jedoch eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung gefordert.

Der Widerrufsjoker könnte an dieser Stelle vielen Kreditnehmern zugute kommen: Dieser betrifft Fälle, in denen Verbraucher fehlerhaft über ihre Widerrufsrechte aufgeklärt wurden. Der Darlehensvertrag wandelt sich dadurch in ein Rückgewährschuldverhältnis.

Verbraucher müssen in diesem Fall alle erhaltenen Raten bzw. die Nettodarlehenssumme an das Kreditinstitut zurück erstatten, zuzüglich des Wertes des genutzten Kapitals.

Doch hier bietet der Widerrufsjoker den zweiten Vorteil: Anstatt sich beim Wert des Gebrauchsvorteils am vertraglich vereinbarten Darlehenszins zu orientieren, erhält der Verbraucher das Kapital rückwirkend wesentlich günstiger, sofern er einen niedrigeren Wert des Gebrauchsvorteils nachweisen kann. Das bedeutet: Gibt es einen günstigeren Marktzins, so kann dieser für den Vertrag angewendet werden.

Es existieren bereits etliche Fälle, in denen eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung zu einem erfolgreichen Widerruf geführt hat. Fehlerhafte Widerrufsbelehrungen können sich in allen Darlehensverträgen befinden, die zwischen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 abgeschlossen wurden. Selbst abgewickelte Darlehen können widerrufen werden, um somit bereits gezahlte Vorfälligkeitsentschädigungen zurückzuerhalten.